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  • Jessica Walz

"Wie, Du machst noch kein Online-Yoga?"

Wir schreiben das Jahr 2020. Es ist Mitte März. Der Frühling kommt mit leisen und noch kühlen Brisen langsam hervor, die Vögel zwitschern munter ihr Konzert und viele Knospen strecken schon schüchtern die Köpfe aus der Erde. Es ist die Zeit, in der sich Spielplätze und die kleinen Tische vor den Cafés wieder füllen würden.

Doch nichts von beidem geschieht. Denn die Spielplätze sind gesperrt und die Cafés geschlossen. Wir befinden uns im "Lockdown", eingeschränkte Ausgangssperre wegen eines neuartigen und für bestimmte Menschengruppen sehr gefährlichen Virus: COVIT-19 oder einfacher Corona.

Sämtliche Gruppenbildungen, die nicht zwingend wirtschaftlich erforderlich sind werden untersagt und so auch unsere Yogakurse.

Wo ich davon ausgehe, dass wohl gesammeltes Karma uns nun in eine Art Zwangspause schickt und ich mich schonmal bereit mache den Liegestuhl im Garten auszuklappen und mein Meditationskissen neu aufzupolstern, da ploppen auf einmal in sämtlichen sozialen Medien Online-Yoga Kurse auf, dass mir erstmal schier die Augen übergehen in Anbetracht der dargebrachten Vielfalt. Zuerst spüre ich leichten Druck im Bauchraum rund um mein Handlungsfeuer, direkt im Manipura Chakra. "Puh.... das klingt nach viel Technik, nach viel Computer...." Und genau das alles habe ich ja letztes Jahr im Juni mit Pauken und Trompeten verabschiedet, als ich mich von meinem Bürojob im Bestattungsunternehmen gelöst habe um mich von nun an vollständig dem Yoga unterrichten hinzugeben.

Relativ schnell fällt die Entscheidung, dass ich auf dieses Pferd, oder besser diese "Matte", wohl eher nicht aufspringen werde und ich tätschele nochmal liebevoll aber mit Nachdruck mein Meditationskissen. Schließlich gibt es ja wahrlich genug online Yoga-Angebot im Netz.

Das alles ändert sich, als mir bewusst wird dass ich ja nun auch wieder Gelegenheit hätte mit meiner Lieblingslehrerin zu praktizieren, da ich seit meinem Umzug das Studio leider kaum noch besuchen kann. Bei nächster Gelegenheit klinke ich mich also zu ihr ins Online-Yoga und -oooooh mein Yogiherz freut sich so- ENDLICH kann ich wieder mit ihr üben. Zwar am Computer, aber dafür mit ihr. Ihrer Stimme, ihrer gewohnten Art anzuleiten. Wie schön. Ich fühl mich zu Hause. So geblisst von der schönen Stunde werfe ich mein Meditationskissen ins Eck und werfe auch gleich hochmotiviert die Frage ins Netz ob denn Interesse an Online-Yoga mit mir bestünde. Die Reaktion rührt mich, denn es melden sich teilweise Yogis, die schon lange nicht mehr mit mir auf der Matte waren aufgrund von Umzügen, Lebensveränderungen usw. Wohl auch immer noch geweichspülert von der schönen Yogastunde mache ich mich sofort an die Recherchen, was man denn nun alles so braucht für gelungenes Online-Yoga und das am besten noch live.

Es dauert nicht lange, da werfe ich einen sehnsüchtigen Blick ins Eck zu meinem Meditationskissen, denn die Live-Idee scheitert bereits am nicht vorhandenen Internet-Anschluss im Studio und den sehr wohl vorhandenen Schul- und Kindergartenfreien Kindern im Wohnzimmer. Ein wenig gequält suche ich noch nach ein paar Alternativen oder vielleicht spontan die Garage umzubauen, stelle dann aber schnell fest dass es herzlich wenig mit Yoga zu tun hat was ich hier gerade tue. Cortisol-Pegel ganz oben und die Freude fürs unterrichten ganz unten.

Ich treffe also die inzwischen dritte Entscheidung und die heisst Santosha - Zufriedenheit. Ich gebe mich mit dem zufrieden, was ich habe und das ist nunmal kein WLan-Anschluss im Studio und das sind zwei süße Kinder in meinem Wohnzimmer, die es wahnsinnig genießen mit der Mama auch mal ein wenig länger zu singen, zu basteln und zu spielen.

Während ich nun so bastele und spiele und mein Santosha kultiviere kommt mir dann eine andere Idee, die sich in ihrer Vollendung schließlich in meine vierte Entscheidung manifestiert. Manchmal sind wir gefragt, auf der Matte aber vor allem auch im Leben, von der Perfektion abzulassen. So geschieht es oft, dass die Hingabe an den Augenblick nachspürbarer wird aber auch der Nutzen für uns selbst und unser Aussen.

Es muss ja nicht live sein. Ich muss nicht innerhalb von 2 Wochen plötzlich zum Technik Nerd werden und in Rekord Tempo Live-Yogaklassen aus dem Boden stampfen. Aber ich kann präsent bleiben. Dir zeigen, dass ich noch da bin. Und gleichzeitig etwas verschenken: Kurze Yoga-Video Sequenzen auf YouTube.

So kannst Du Yoga mit mir wann Du willst in Deinen Tag integrieren und ich kann weiter geniessen was ich so liebe: Yoga unterrichten.

Ich lasse den Drang zur Perfektion los, akzeptiere dass mein erstes Video noch alles andere als professionell ist und erlaube mir hier Wachstum zuzulassen und bin gespannt auf seine Entwicklung. Hier ist er also nun: Der Yogajoy YouTube Kanal mit dem ersten 30-minütigen Video einer MorgenYoga Sequenz. Und ich muss zugeben, nach den ersten völlig gescheiterten Versuchen habe ich sogar Spaß daran gefunden. Das heisst ich mache weiter und freue mich schon wenn ich auch hierin wieder Stück für Stück mein eigenes Wachstumspotential erkennen kann. Es werden also mit der Zeit noch weitere folgen. Schau gerne ab und zu im Kanal vorbei.



Ich wünsche Dir viel Spaß damit und hoffe auch Du kannst Gnade walten lassen mit den Unzulänglichkeiten die dieses erste Video noch aufweist.

Namasté

Deine Jessica

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